Nachwuchsgruppen
Sekundärmetabolismus räuberischer Bakterien
Sekundärmetabolismus räuberischer Bakterien
Nachwuchsgruppe Sekundärmetabolismus räuberischer Bakterien

Herpetosiphon sp., Kolonie im dissektionsmikroskopischen Bild.
Hintergrund
Die Gattung Herpetosiphon umfasst eine physiologisch einzigartige Gruppe von Organismen innerhalb des Phylums Chloroflexi. Ausgestattet mit gleitender Fortbewegung und einem Arsenal von Verdauungsenzymen, die die Zellwand anderer Bakterien zersetzen, kann Herpetosiphon Jagd auf andere Mikroorganismen machen.(1) Das dabei praktizierte Wolfsrudelverhalten ähnelt der Jagdstrategie der phylogenetisch entfernt stehenden Gattung Lysobacter. Selbige setzt ein ausgeklügeltes, in weiten Teilen noch unerforschtes System zur interzellulären Kommunikation ein, um eine ausreichende Anzahl an Helfern für die enzymatische Zersetzung der Beute herbeizurufen. Sowohl Herpetosiphon als auch Lysobacter produzieren und sezernieren antimikrobiell wirksame Verbindungen, die möglicherweise als Jagdgifte zur Paralyse der Beute oder zur Unterdrückung des Wachstums von Konkurrenten dienen.(2,3) Das Genom von Herpetosiphon aurantiacus spiegelt das immense Potential dieses Organismus zur Produktion von strukturell sehr unterschiedlichen Antibiotika wider.(4) Noch ist unklar, ob die vielen vorhandenen Biosynthesegene über horizontalen Gentransfer erworben wurden. Dennoch ist es verlockend zu spekulieren, dass selektionsgesteuerte Stoffwechselfixierung zu dieser außergewöhnlichen Vielseitigkeit beigetragen hat.

Literatur
(1) Jurkevitch E (2007). Predatory Behaviors in Bacteria – Diversity and Transitions. Microbe 2: 67-73.
(2) Nett M, Erol Ö, Kehraus S, Köck M, Krick A, Eguereva E, Neu E, König GM (2006). Siphonazole, an Unusual Metabolite from Herpetosiphon sp. Angew Chem Int Ed 45: 3863-3867.
(3) Nett M, König GM (2007). The chemistry of gliding bacteria. Nat. Prod. Rep. 24: 1245-1261.
(4) Nett M, Bryant DA, König GM (2009), in preparation.

