Historie

Als im Jahre 1950 der Direktor des VEB Jenapharm und Nationalpreisträger der DDR, Hans Knöll, über einen Forschungsstandort in Jena in Richtung Beutenberg nachdachte, begann mit dieser Vision eine unglaubliche Erfolgsgeschichte.
So entstand mit dem BCG-Gebäude, mit seiner Grundsteinlegung im April 1950 und seiner Fertigstellung im April 1951, dass erste Gebäude auf dem Beutenberg. Bis 1990 erfolgte hier die gesamte Produktion des BCG-Impfstoffes (Tuberkulose) und der BCG-Testvakzine.
Bereits 1951 begann man mit der Baugrube für den Ostflügel des Institutes für Mikrobiologie und experimentelle Therapie (IMET), welches am 1.1.1953 gegründet wurde. Hans Knöll wurde als Direktor dieses Institutes berufen. Im März 1956 erfolgte die Übernahme des IMET durch die Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Seit seiner Umbenennung im Jahre 1970 in Zentralinstitut für Mikrobiologie und experimentelle Therapie (ZIMET) hat sich der Beutenberg bis zur Abwicklung der Akademie-Institute im Jahr 1991 zum größten biowissenschaftlichen Forschungszentrum der DDR entwickelt.
Das Hans-Knöll-Institut für Naturstoff-Forschung wurde am 21.11.1991 als eingetragener Verein durch das Thüringer Ministerium für Wissenschaft und Kunst gegründet und nahm am 01.01.1992 seine Tätigkeit auf. Damit wurde eine Tradition der mikrobiologischen Naturstoff-Forschung in Jena fortgesetzt, die vor 50 Jahren mit der Entwicklung eines Produktionsverfahrens für Penicillin durch Prof. Dr. Hans Knöll begonnen wurde.
Das HKI ging aus den Kernbereichen des Zentralinstitutes für Mikrobiologie und Experimentelle Therapie (ZIMET) hervor, die im Sommer 1991 vom Wissenschaftsrat positiv evaluiert wurden. Die ursprüngliche Zielsetzung, eine industrienahe GmbH mit großen Pharmafirmen als Gesellschafter zu gründen, konnte nicht realisiert werden. Das Gründungskomitee unter Leitung von Prof. D. Behrens (DECHEMA) erarbeitete ein wissenschaftliches Konzept, das vier wissenschaftliche Bereiche vorsah: Mikrobiologie, Naturstoffchemie, Bioverfahrensentwicklung und Funktionelle Wirkstoffcharakterisierung. Das Hauptziel der Forschung sollte das Auffinden, Charakterisieren, Herstellen und Prüfen neuer mikrobieller Wirkstoffe für die Anwendung in der Medizin sein. Das HKI sollte somit ein Bindeglied zwischen Grundlagenforschung und Industrie werden. Für das Erreichen dieser wissenschaftlichen Zielstellung hat das Gründungskomitee das synergistische Zusammenwirken der vier Bereiche in einer Durchgehenden Bearbeitungslinie (DBL) für Naturstoffe als essentiell angesehen. Am 01.11.1992 übernahm Prof. Albert Hinnen, vorher bei Ciba-Geigy in Basel tätig, das Institut vom Gründungsdirektor Prof. Wolfgang A. Knorre. Prof. Albert Hinnen hat das Institut in den Jahren bis zu seinem Ausscheiden im April 2002 maßgeblich in seinem wissenschaftlichen Profil geprägt. Begleitet wurde das HKI in seiner strategischen Ausrichtung durch den Wissenschaftlichen Beirat, der 1993 unter Leitung von Prof. G. Quinkert seine Tätigkeit aufnahm. Auf Empfehlung des Wissenschaftlichen Beirates wurde die Wirkstoffsuche durch die Gründung eines neuen Bereiches „Wirkstoffsuche“ verstärkt. Der Bereich Funktionelle Wirkstoffcharakterisierung wurde auf eine Abteilung „Wirkstoffprüfung“ reduziert. Ein weiterer Meilenstein war 1998 die Schaffung einer neuen Struktur. Anstelle der vier Bereiche traten fünf Forschungsabteilungen (Molekulare Naturstoff-Forschung, Biostrukturchemie, Zell- und Molekularbiologie, Infektionsbiologie und Angewandte Mikrobiologie) sowie drei Technologieabteilungen (Screening-Center, Naturstoff-Technikum und Wirkstoffprüfung). Für die Abteilung Gentechnische Pilotanlage wurde die Ausgründung als selbständige GmbH vorbereitet. 1999 erfolgte die Evaluierung des HKI durch den Wissenschaftsrat (WR). In der Stellungnahme des WR vom 17. November 2000 heißt es: „Das HKI hat seit seiner Gründung 1992 eine insgesamt sehr gute Entwicklung genommen und national wie international eine anerkannte Stellung auf seinem Forschungsgebiet erreicht“. Der WR empfahl, das HKI in die gemeinsame Förderung (Blaue Liste) aufzunehmen. Das HKI wurde am 01.01.2003 Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.
Außerdem empfahl der WR die seit der Gründung verfolgte industrienahe Forschung zu Gunsten einer verstärkten Grundlagenforschung zurückzuführen und industrienahe Forschungsgebiete auszugründen. Bisher wurden neun Firmen ausgegründet, die insgesamt ca. 170 Mitarbeiter beschäftigen, d. h. etwa ebenso viele wie im HKI gegenwärtig noch tätig sind.
Die Ausgründungen unter maßgeblicher Mitwirkung von HKI-Mitarbeitern waren: BioControl (1996), Probiodrug (1997), Oncoscreen (1997), CLONDIAG (1998), Wacker Biotech GmbH (ehemals ProThera) (1999), Cybio Screening (2000), Bioagent (2000), SirsLab (2000) und BioConzept (2004).
Nachdem Prof. Albert Hinnen im April 2002 als Direktor ausgeschieden war, übernahm er selbst die Geschäftsführung von CLONDIAG. Seit Mai 2002 wird das Institut von Prof. Wolfgang A. Knorre kommissarisch geleitet.
Am 1.1.2005 erfolgt die Umbenennung des Institutes in Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie e. V. – Hans-Knöll-Institut –. Der neue Name bringt das veränderte Profil zum Ausdruck. Neben der klassischen Naturstoff-Forschung wird die Infektionsbiologie, speziell human-pathoger Pilze, verstärkt eingebunden. Dadurch ergibt sich ein neuer synergetischer Effekt der beiden Forschungsbereiche. Im Mai 2005 erfolgt die Eintragung des neuen Namens im Vereinsregister.
Ab 1. Juli 2005 übernimmt Herr Prof. Axel A. Brakhage, Hannover, die Leitung des Instituts als Wissenschaftlicher Direktor. Er leitet bereits seit dem 1. Februar 2005 als Abteilungsleiter die neue Abteilung „Molekulare und Angewandte Mikrobiologie“.


